Es beginnt mit Rossini, wie man ihn liebt: leicht, funkelnd, voller rhythmischer Energie. Die Musik perlt wie Champagner – und trägt einen Abend, der sich ganz der Lust am Spiel verschreibt. Doch diese „Italiana“ will mehr als nur Eleganz. Rolando Villazón verlegt die Oper in eine grelle Wrestling-Welt, in der sich Oper und Spektakel überlagern. „Echte“ Kämpfe, laute Gesten, überbordender Klamauk – immer wieder scheint die Bühne aus den Fugen zu geraten. Und doch entfaltet sich gerade daraus eine eigentümliche Intensität: ein Abend zwischen Belcanto und Jahrmarkt, zwischen musikalischer Präzision und bewusstem Kontrollverlust. Im Zentrum steht Nadezhda Karyazina als Isabella, die mit Präsenz und spielerischer Souveränität das Geschehen bündelt.

(C) Eike Weikenhorst
An ihrer Seite zeichnet Tommaso Barea einen Mustafà, der zwischen Selbstinszenierung und komischer Fallhöhe pendelt. Beide tragen das Spiel mit Leichtigkeit, ohne sich vom Inszenierungstrubel völlig vereinnahmen zu lassen. Was diesen Abend jedoch prägt, ist weniger die Einzelperformance als das ständige In-Bewegung-Sein. Szenen kippen ins Absurde, Situationen überschlagen sich, und aus unzähligen kleinen Momenten entsteht eine lebendige, oft überraschende Komik. Der Einsatz von Wrestling bringt dabei bewusst den Klamauk auf die Spitze. Manches wirkt überdreht, manches fast zu laut – doch genau dieses „Zuviel“ erzeugt eine Atmosphäre, die sich nicht um Zurückhaltung bemüht, sondern um Wirkung.

(C) Eike Weikenhorst
So entsteht ein Abend, der nicht immer subtil ist, aber voller Energie steckt. Gerade in Zeiten, in denen vieles schwer wirkt, entfaltet diese Oper eine fast trotzig-leichte Kraft: Alles wird zur Bewegung, zur Melodie, zum Spiel. Man verlässt das Haus mit dem Eindruck eines rauschhaften Spektakels – vielleicht nicht immer elegant, aber lebendig, spontan und voller Lust am Theater. Und das Publikum? Es lässt sich mitreißen, lacht, staunt – und feiert den Abend am Ende mit begeistertem Applaus und Standing Ovations.